Sanierungsexpertin Dr. Nicole Essiger-Munk, Politikwissenschaftlerin
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Was hat Bad Nauheim mit der Bundeskreditaufsicht zu tun?

 

Finanzjongleure, Finanzschwindler und geschädigte Kleinaktionäre - Prüfinstitut Bad Nauheim nach 1 1/2 Jahren bestätigt

Heyde AG in Konkurs - Gontard & Metallbank geschlossen - Gold-Zack unter Druck - Handelsblatt, FAZ, SPIEGEL, MANAGER-MAGAZIN u.a. berichteten

- Von Rainer Göhl - Stadtzeitung Bad Nauheim vom 10.05.2002

Es ist mehr als eineinhalb Jahre her, dass Nicole Munk und ihr Prüfinstitut die Bad Nauheimer Öffentlichkeit vor dem Erwerb von Heyde-Aktien gewarnt hatten (die Bad Nauheimer Stadtzeitung berichtete darüber, Artikel vom 17.11.00). Die Reaktionen auf diesen mutigen Schritt der jungen Bad Nauheimer Unternehmerin waren unterschiedlich:

Einige wenige hörten auf den Rat von Nicole Munk und wurden auf diese Weise vor schwerem finanziellem Schaden bewahrt. Viele Bad Nauheimer Bürger und Tausende anderer aus dem anlagewilligen Publikum aber wollten oder konnten nicht glauben, dass ein Mann wie Dieter Heyde, als Vorzeigeunternehmer hofiert, der sich auch noch in allen Lebenslagen der Förderung und Unterstützung des Bürgermeisters Bernd Rohde und vieler politischer Instanzen unserer Stadt sicher sein konnte und selbst wie der Bill Gates von der Wetterau auftrat, seine eigenen Mitbürger und abertausende von Aktiensparern mit einer maroden Aktien-Emission schädigen und um ihr Geld bringen würde. Und so wurden Heyde-Aktien gekauft. Heyde sammelte über diese Emissionen Milliarden ein.

Haftung für marode Aktien-Emissionen

Doch jetzt ist genau das eingetreten, wovor Nicole Munk gewarnt hatte: Die Heyde AG wurde insolvent und der Kurs der Aktie vollführte einen Sturzflug von ehemals über 50 Euro auf jetzt 8 Cent. Wie war das möglich? Kann der betrogene Aktiensparer Schadensersatz verlangen? Und wenn ja, von wem? Kann man solchen Finanzjongleuren überhaupt das Handwerk legen?

Das Netzwerk der Finanzschwindler offen legen. Die Gontard & Metallbank AG, die Gold-Zack AG, Dietrich Walther und Heyde als Glücksritter des Neuen Marktes.

Schadensersatz zu erhalten, ist schwierig, aber nicht unmöglich! Um gegen derartige Finanzschwindler vorzugehen, muss man zunächst einmal das Netzwerk und die Arbeitsweise dieser Herrschaften sichtbar machen. Im Fall der Aktien der Heyde AG hat das Prüfinstitut diese Recherchen übernommen und Erstaunliches an das Tageslicht gefördert:

Plötzlich wird erkennbar, wie klein die Welt doch ist. Wer hätte gedacht, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Gontard & Metallbank AG, vor Jahren noch als renommierte Privatbank eingestuft, von Amts wegen schließen würde, und zwar wegen Verlustes des Eigenkapitals und unübersehbaren Haftungsrisiken und Wertberichtigungen? Am 06.05.2002, 19.00 Uhr, war der letzte Rettungsversuch von Dietrich Walther, dem spiritus rector und Herrscher aller Reussen bei der Gontard & Metallbank-Gold-Zack-Gruppe gescheitert. Die Beamten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sprachen das entscheidende Machtwort und schlossen die Bankschalter. Ein neu aufgetauchter Wertberichtigungsbedarf – Informierte sprechen von 20 Millionen Euro – konnte oder wollte Dietrich Walther nicht mehr abfangen.

Die Gontard & Metallbank AG / Gold-Zack AG / Dietrich Walter sollen an der Emission der Heyde-Aktien rund 170 Millionen Mark verdient haben.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, sagt der Volksmund. Beim Aktienbetrug können sich die geprellten Aktiensparer eine Variante dieses Sprichwortes anhören:

Regen Sie sich nicht auf, Ihr Geld ist nicht weg, es gehört jetzt nur jemand anderem. Das Geld der Heyde-Aktionäre jedenfalls befindet sich in der Kasse der Gold-Zack AG, der Gontard & Metallbank AG, von Herrn Dietrich Walther und seinen Getreuen. 170 Millionen Mark soll die Vergütung für den Gang an die Börse betragen haben. Das geflügelte Wort vom "Schnell verdienten Geld" wird hier auch für den staunenden Bürger plastisch.

Auf den ersten Blick besteht keine Verbindung zwischen den Vorkommnissen der Heyde-Insolvenz und der Schließung der Gontard & Metallbank AG. Doch forscht man länger nach, werden Zusammenhänge erkennbar, die dem gutmütigen Aktiensparer die Haare zu Berge stehen lassen. Denn Dietrich Walther hat die Gontard & Metallbank AG und die Gold-Zack AG tief in das Aktienverlustgeschäft "Heyde" und weitere mindestens 23 Neue-Markt-Emissionen verstrickt. Alle diese 23 Unternehmen, die Dietrich Walther über die Gontard & Metallbank AG an die Börse begleiten ließ, sind entweder schon insolvent oder jedenfalls illiquide. Es war Dietrich Walther, der bei der Gold-Zack AG und bei der Gontard & Metallbank AG ein Klima geschaffen hatte, in dem schwerer Rechtsbruch und operatives Tagesgeschäft praktisch eins waren.

Die amtlichen Prüfer der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und des Einlagensicherungsfonds, die Herren Maier-Lamping, Stindt und Werner, müssen – wie gut Informierte berichten – bei der Gontard & Metallbank AG auf eine riesige Anzahl unerlaubter Geschäfte gestoßen sein: Kein Wunder, wenn da der Aktiensparer leer ausgeht. Dietrich Walther und seine Erfüllungsgehilfen scheinen all das, was das Kreditwesengesetz, das Aktiengesetz und das Handelsgesetzbuch verbieten oder sogar unter Strafe stellen, mit besonderer Vorliebe gemacht zu haben:

Da wurden Vorständen der Gontard & Metallbank AG Kredite über 10-, 20- und mehr Millionen Euro gewährt, um Aktien der eigenen Bank zu erwerben. Diese spekulativen Eigenkreditgeschäfte wurden dann über die Gold-Zack AG mittels Bürgschaften abgesichert. Umgekehrt muss die Gold-Zack AG eine Bürgschaft in unbegrenzter Höhe für alle Haftungsrisiken der Gontard & Metallbank AG abgegeben haben. Diese unbegrenzte Bürgschaft wurde aber nicht Bestandteil des Jahresabschlusses der Gold-Zack AG - Dietrich Walther verheimlichte den Vorgang gegenüber Aktionären und selbst gegenüber seinen Vorstandskollegen.

Heyde-Geschädigte wollen sich an Dietrich Walther halten.

Für die Heyde-Geschädigten könnte sich daraus eine neue Perspektive ergeben. Denn formal werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Schadensersatzansprüche gegen die Gold-Zack AG ergeben. Doch Dietrich Walther wird sich aus dem Haftungsverbund nicht mehr abseilen können: Schon rufen geschädigte Aktionäre nach dem Haftungsdurchgriff auf Dietrich Walther. Dessen persönliches Vermögen (einschließlich seiner Familie) wird auf einen dreistelligen Mio-Euro-Betrag geschätzt: Die Früchte aus den Geschäften am Neuen Markt. Klar: Wenn auch bei den anderen 29 Aktien-Emissionen auf dem Neuen Markt nur annähernd gleich hohe Provisionen verdient wurden wie bei der Einführung der Heyde-Aktien (170 Mio DM), dann verwundert einen nichts mehr.

In den Zeiten des Booms auf dem Neuen Markt schien es, als habe Dietrich Walther das perpetuum mobilie oder die automatische Gelddruckmaschine erfunden. Das war aber nicht der Fall. Denn das Geld, mit dem hantiert wurde, kam von den Sparbüchern der gutgläubigen Anleger. Doch damals kamen selbst die Vorstandsherren der alteingesessenen großen Frankfurter Kreditinstitute aus dem Staunen nicht mehr heraus: Mit Slogans wie "und so geht es" ließ sich Dietrich Walther nach jeder erfolgreichen Aktien-Emission in ganzseitigen Inseraten als neuer Wertschöpfer der Republik feiern. Bei diesem Geldsegen auf Kosten der Aktionäre konnte Dietrich Walther Hof halten: Ein neues Verwaltungsgebäude für die Gold-Zack AG aus Glas und Chrom, Privatjets und eigene Gestüte und Reiterhöfe, ja sogar eine Privatschule für Manager, das alles war von dem Geld der Aktiensparer möglich. Und die Mühlen der Justiz? Sie mahlen langsam. Aber jetzt soll die Staatsanwaltschaft gegen Dietrich Walther ermitteln. In der Vorstandsriege bricht Nervosität aus. Denn man kann nur ahnen, wie viele Leichen noch im Keller entdeckt werden.

Der aufmerksame Beobachter fragt sich:

Warum konnte Dietrich Walther – abwechselnd mal als der Vorstandsvorsitzende der Gold-Zack AG und dann als deren Aufsichtsratsvorsitzender und dann wieder als Vorstandsvorsitzender – überhaupt dieses große Rad so lange Zeit ungestört drehen? Warum wurden die Beamten des Bundesaufsichtsamtes und des Einlagensicherungsfonds erst jetzt aktiv? Hätte diesen Luftgeschäften nicht viel früher der Riegel vorgeschoben werden müssen? Recherchiert man in dieser Richtung, erfährt man wieder Erstaunliches:

Das Bundesaufsichtsamt und der Einlagensicherungsfonds gingen in der Vorstandsetage der Gontard & Metallbank AG schon seit Dezember 2001 ein und aus und hielten dort den Daumen drauf. Ohne deren Genehmigung durften die Vorstände der Gontard & Metallbank AG also schon seit sechs Monaten überhaupt nichts mehr entscheiden. Bis zum 30.06.2002 lautete die Frist der Bundesbeamten, um die Eigenkapitalquote der Bank wieder auf 8 % zu erhöhen und die anderen Schieflagen zu beseitigen. Am 06.05.2002 war dann offenbar klar, dass man die Frist des 30.06.2002 gar nicht mehr abzuwarten brauchte: Vorzeitige Schließung von Amts wegen Hoffnungslosigkeit.

Dubiose Falschmeldung über Großinvestor manipuliert den Kurs der Gold-Zack Aktie um 85 % nach oben. Die Aufsichtsämter ermitteln.

Welche dubiosen Geschäfte dort noch gelaufen sind, lässt sich nur erahnen: Da tauchte plötzlich die Meldung auf, ein Großinvestor würde die Gold-Zack AG übernehmen und damit auch die Gontard & Metallbank AG und letztendlich auch Dietrich Walther retten: Der Kurs der Gold-Zack Aktie machte einen Sprung um 85 % in die Höhe. Dann aber die Richtigstellung: Es lag eine Falschmeldung vor. Absender unbekannt. Das Vertrauen bei den Aktionären ist endgültig verspielt. Aber das alles passt in das Gesamtbild.

Die Ironie der Geschichte: Den Bock zum Gärtner gemacht!

Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Dass Aktionäre auf dem Neuen Markt häufig betrogen werden, weiß heute jeder. Brisant wird der Fall der Heyde-Aktie aber dadurch, dass Dietrich Walther noch als Mitglied des Präsidiums der Schutzvereinigung der deutschen Kleinaktionäre fungiert. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Bei einer derartigen Interessenvertretung der deutschen Kleinaktionäre braucht sich niemand zu wundern, wenn sich die Altersversorgung der kleinen Leute in Luft auflöst. Bislang sind die Bad Nauheimer Bürger mit Heyde-Aktien und die anderen Aktiensparer die Dummen. Doch das Prüfinstitut Bad Nauheim setzt sich für die Rechte der Geschädigten ein. Inzwischen formiert sich der Widerstand.

Nicole Munk: „Die Bürger wurden bei der Heyde-Emission in unverschämter Weise hereingelegt.“

Das Prüfinstitut Bad Nauheim wird eine wirklich schlagkräftige Interessengemeinschaft der Kleinaktionäre organisieren. Neue Urteile in der deutschen Rechtsprechung lassen die Geschädigten nicht mehr als so schutzlos erscheinen wie vielleicht noch vor einigen Jahren. Bei falschen Ad-hoc-Meldungen haften die Handelnden persönlich. Gleiches gilt auch bei Bilanzfälschungen. Und falsche Ad-hoc-Meldungen gab es zu Hauf: Da wurden in den Pressekonferenzen der Gold-Zack AG, der Gontard & Metallbank AG, aber auch bei der Heyde AG selbst über neue lukrative Geschäftsfelder schwadroniert, doch es gab kein einziges Geschäft, das wirklich geklappt hätte. Da wurden z.B. bei der Gold-Zack AG die Gewinne nach oben manipuliert und Verbindlichkeiten ausgeklammert, gerade so, wie man es für die Wirtschaftsprüfer brauchte. Um das alles "gestalten" zu können, setzte z.B. Dietrich Walther seine persönlichen Steuerberater auch zu Abschlussprüfern bei der Gold-Zack AG ein. Und bei der Heyde AG wurden mit dem Geld der Aktionäre nur weitere Unternehmen hinzugekauft, die offenbar nur heiße Luft enthielten. Für die Kredite der Heyde AG soll sich Heyde persönlich verbürgt haben. Was diese Bürgschaften wert sind, wird noch zu überprüfen sein.

Zehn Jahre persönliche Rückgriffshaftung hilft den Geschädigten.

Deshalb sagt Nicole Munk: Wir werden die Finanzjongleure beim eigenen Wort nehmen: Regen Sie sich nicht auf. Das Geld ist nicht weg. Es gehört jetzt nur jemand anderem. Und genau dort sollten sich die betrogenen Aktiensparer auch wieder ihr Geld holen. Mit der Rückgriffshaftung der neuen Rechtsprechung genau dort, wohin das Geld geflossen ist oder verschoben worden ist.

Und auch der Gesetzgeber hilft: Bei der so genannten Absichtsanfechtung kann noch nach zehn Jahren das Geld von dem Dritten herausverlangt werden, wenn diese über die Herkunft der Gelder informiert waren. Nicole Munk: Das Prüfinstitut Bad Nauheim wird beweisen, dass der böse Glaube bei diesen Helfershelfern, oft in der eigenen Familie, vorgelegen hat. Und auch die Summen stimmen: Die Beträge sind zu groß, als dass man derartige Summen einfach verschwinden lassen könnte. Man wird am Ball bleiben. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und das Prüfinstitut Bad Nauheim werden es garantiert nicht zulassen, dass diese Finanzjongleure die Beute aus den dubiosen Emissionsgeschäften behalten dürfen.

Erschienen in der Sz BN am 10.05.2002

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