Aufgepasst bei privater Altersversorgung!
Die politische Vorgabe steht: Die Deutschen sollen künftig mehr als bisher privat für ihre letzten Lebensjahre vorsorgen. Es wird zwar noch ein Weilchen dauern, bis die anstehende Rentenreform in trockenen Tüchern ist. Doch fast alle Experten und Parteien sind sich einig, dass an einer verstärkten individuellen Altersvorsorge kein Weg mehr vorbeiführen wird. Denn die gesetzliche Rentenversicherung steht am Rande ihrer Leistungskraft. Das Solidarprinzip, wonach die arbeitende Bevölkerung über ihre Beiträge den Rentnern ihren Lebensabend finanziert, gerät immer mehr ins Wanken. Denn die Zahl der Beitragszahler schrumpft, weil immer weniger Kinder in die Welt gesetzt werden.
Die Lebenserwartung dagegen steigt, die Alten werden immer älter. Dieses wachsende Ungleichgewicht zwischen den Beitragszahlern und den Empfängern in der gesetzlichen Versicherung will die Bundesregierung künftig durch eine starke Förderung der privaten Altersvorsorge ausgleichen. Wer selbst für später anspart, darf dabei auf kräftige Zuschüsse vom Staat hoffen. Man braucht kein Prophet zu sein, um den Lebensversicherern dank dieser Vorgabe einen weiteren Boom vorherzusagen.
Der Kunde jedoch sollte genau aufpassen. Die jüngste Untersuchung der Stiftung Warentest beweist, dass schon heute manche Mogelpackung auf dem Markt ist, die zwar viele Versprechen, aber nur wenig Rendite bietet. Solche fragwürdigen Hochstapeleien werden eher noch zunehmen, sobald die staatliche Förderung einsetzt und das Rennen auf die private Altersvorsorge immer mehr neue Anbieter auf den Markt locken wird, die auch Ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen. Die staatliche Aufsicht ist hier gefordert, damit es für den einen oder anderen Versicherten im Alter nicht plötzlich ein böses Erwachen gibt.
Grundsätzlich muss sich die Transparenz in der Versicherungsbranche erhöhen. Bereits seit Jahren fordern die Verbraucherschützer, dass die Lebensversicherer exakter nachweisen, was mit den Beiträgen der Kunden tatsächlich geschieht. Fallen die Verwaltungskosten zum Beispiel geringer aus als zuvor angesetzt oder sterben die Versicherten früher als kalkuliert, können die Unternehmen und Ihre Aktionäre dicke Profite einstreichen, ohne dass die Beitragszahler viel mitzureden haben. Nur bei den Zinsgewinnen existiert bisher eine festgelegte Beteiligungsquote für die Kunden. Es wird höchste Zeit dass dieser Missstand behoben wird, damit die private Altersvorsorge somit sicherer und attraktiver wird.
Stadtzeitung Bad Nauheim Nr. 474 vom 20.10.2000
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