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Es klingt richtig positiv: Nach vielen
Jahren, in denen sich Unternehmen gern von älteren Arbeitnehmern
trennten, richten jetzt Wirtschaft und Politik verstärkt ihr Augenmerk
auf diese Gruppe.
Einen „grundlegenden Richtungswechsel“
in der Beschäftigungspolitik zu Gunsten älterer Arbeitnehmer hält gar
der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeiterverbände, Reinhard Göhner für notwendig. Auch im neuesten
„Berufsbildungsbericht 2001“ heißt es: „Bisherige Leitbilder und
einseitige Zentrierung auf jung oder Jugend sind nicht mehr zeitgemäß.“
Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Klaus von Trohta betont:
„45-Jährige gehören nicht auf das Abstellgleis".
Der Präsident der Bundesanstalt für
Arbeit, Bernhard Jagoda, appellierte bereits im vergangenen Jahr an die
Arbeitgeber, verstärkt ältere arbeitslose Fachkräfte einzustellen. Man
dürfte „Menschen nicht schon mit 50 Jahren als alt bezeichnen“, sagte
er. Es sei auch falsch, ihnen nichts mehr zuzutrauen. Rund 821.000
Arbeitslose sind 55 Jahre und älter. Auch in der Diskussion über die
Lage der Sozialkassen wird wiederholt die Forderung erhoben, die
Deutschen sollten wieder länger arbeiten und später in Rente gehen.
Die betroffene Altersgruppe dürfte den
neuen Trend in der Beschäftigungspolitik mit gemischten Gefühlen
betrachten. Einerseits sind viele Menschen über 50 so fit und
unternehmenslustig und fühlen sich so jung, wie keine Generation vor
ihnen. Andererseits scheiden viele wegen verminderter Erwerbstätigkeit
vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Dies sind weit über 200.000 Männer
und Frauen pro Jahr. So waren rund 20 Prozent aller Neurentner 1999
Frührentner.
Mit einer Beschäftigungsoffensive für
ältere Arbeitnehmer wird sich dann auch das Bündnis für Arbeit
befassen, wenn die Gespräche nach mehr als halbjähriger Unterbrechung
Anfang März weitergehen. Dabei soll über die Herabsetzung der
Altersgrenze für Eingliederungszuschüsse von 55 auf 50 gesprochen
werden. Auch die bisherige Politik, die auf Vorruhestandsregelungen
oder die umstrittene Rente mit 60 gesetzt hat, soll laut
Arbeitsstaatssekretär Gerd Andres „endgültig passe“ sein. Noch in
diesem Jahr sollen Weiterbildungsangebote für ältere Arbeitnehmer
ausgebaut werden.
Deshalb: Mehr freie Entscheidung für unsere Senioren.
Erschienen in der Sz BN am 09.03.2001 |